Ein anonymer Leser des Daily WTF, wiedergegeben von Redakteurin Ellis Morning, berichtet von einem Job 2014 bei einer brasilianischen Firma für Software im öffentlichen Sektor. Wegen der WM in Brasilien hatten lokale Behörden fast unbegrenzte Budgets für Modernisierungen, solange alles vor Turnierende live war. Der Vertrieb verkaufte entsprechend über: Eine Polizeibehörde einer Landeshauptstadt bekam ein System versprochen, das eigentlich ein Team von 20 Entwicklern brauchte, lieferbar in drei Monaten ohne Puffer, obwohl die Firma nur vier Leute abstellen konnte.

Der Umfang ging über das Kernprodukt hinaus: eine individuelle öffentliche Website, Live-GPS-Tracking der Streifenwagen auf Tablets in den Fahrzeugen und automatisierte Berichte. Die Personalplanung ging sofort schief. Das Team erhielt 24 Lebensläufe und sollte 16 Einstellungen treffen, nur etwa drei Kandidaten waren brauchbar, doch ein ganzer Monat ging für das Onboarding von dreizehn unqualifizierten Leuten verloren, ein Lehrbuchbeispiel für das Mythical-Man-Month-Problem. Das Management löste das, indem es die Kernentwickler für zwei Wochen in die Stadt des Kunden flog, zu über zwölf Stunden Arbeit an sieben Tagen die Woche.

Ein geplantes Feature sollte Bürgern erlauben, laufende Vorfälle zu fotografieren und über App und Website zur Echtzeit-Verifizierung durch einen Operator einzureichen. Das Team nannte es intern die „Dick-Pic-Enzyklopädie“. Das Budget reichte nur für einen einzigen Server, sodass dieses öffentlich zugängliche System dieselbe Infrastruktur wie das Polizei-Tracking genutzt hätte. Es lief nur kurz, bevor man es wieder abschaltete.

Eine Woche vor dem Start bestanden die Tracking-Tablets in den Streifenwagen jeden internen Test, versagten aber unvorhersehbar im Einsatz. Der Einsender begleitete eine Streifenfahrt zur Fehlersuche vor Ort, und der Polizist fuhr geradewegs in eine Favela, um den Fehler zu reproduzieren. Ursache war schlechter Mobilfunkempfang in diesen Vierteln, worauf die Software nicht ausgelegt war.

Das System ging pünktlich live, aber deutlich unter der vereinbarten Spezifikation und über Budget. Als die Firma versuchte, Überstundenbezahlung mit „Prestige“ statt Geld abzuwenden, kündigte der Einsender bald danach. Später hörte er, die Firma sei wegen dieses und ähnlicher überhasteter WM-Projekte verklagt worden und deswegen fast pleitegegangen.