Poul-Henning Kamp schildert, wie ein Streit auf einer FreeBSD-Mailingliste 1999 den Begriff „Bikeshed“ in der Softwarewelt etablierte. Damals galt er als eine Art geistiger Führer des FreeBSD-Projekts und schrieb Rundmails zu Themen, die er für wichtig hielt. Eine besonders hitzige Debatte brauchte mehrere Tage, bevor er seine Beobachtung in eine klare Erklärung fassen konnte.
Auslöser war der Vorschlag, dass sleep(1) Nachkommasekunden akzeptieren sollte. Die Änderung hätte das bisherige Verhalten bewahrt und Kompatibilität mit OpenBSD und NetBSD geschaffen. Trotzdem folgten auf den kleinen Vorschlag ungewöhnlich viele Einwände und Änderungswünsche. Kamp lobt den ursprünglichen Autor dafür, die Diskussion durchzustehen, bis die Änderung im FreeBSD-Baum landete.
Kamp führt das Muster auf C. Northcote Parkinsons Buch „Parkinson’s Law“ aus den frühen 1960er-Jahren zurück. Parkinson stellt darin ein kompliziertes Atomkraftwerk einem einfachen Fahrradschuppen gegenüber. Das große Vorhaben können viele Menschen kaum beurteilen, deshalb verlassen sie sich auf die Annahme, dass Fachleute die Details geprüft haben. Ein kleiner Schuppen wirkt für jeden überschaubar und lädt zu persönlichen Vorlieben und sichtbaren Beiträgen ein. Kamp nennt diesen Drang „setting your fingerprint“. In Dänemark bezeichnet das den Wunsch, den eigenen Anteil und den eigenen Status sichtbar zu machen. Als verwandtes Beispiel nennt er Richard P. Feynmans Berichte über Los Alamos.
Die Mail machte „Bikeshed“ zunächst zu einem FreeBSD-Fachbegriff, praktisch zu einer gelben Karte für eine Diskussion, die zu viel Aufmerksamkeit bindet. FreeBSD-Committer trugen das Wort in andere Projekte. Ben und Brian aus dem Subversion-Projekt griffen das Motiv später in ihrem Vortrag „How Open Source Projects Survive Poisonous People“ auf und stellten Kamps Mail auf bikeshed.org bereit. Kamp sieht darin einen Wendepunkt der FOSS-Geschichte, weil der Vortrag konkrete Strategien für das Management offener Projekte anbot. Zuvor blieb meist das Bild vom „Hüten von Katzen“.
Frühere Kollegen aus Kamps core.0 sagten ihm, der Vortrag beschreibe genau die Probleme, die sie im vorangegangenen Jahrzehnt erlebt hatten. Sie hatten ihre Erfahrungen jedoch nie für andere Projekte aufbereitet. Kamp schreibt Ben und Brian zu, die menschliche Seite des FOSS-Managements öffentlich besprechbar gemacht zu haben. Ein Foto von BSDCan2007 zeigt Kamp und Warner in den ursprünglichen Anti-Bikeshed-Shirts von BSDCon’03 neben Ben und Brian.
Für BSDCon’03 entwarf Kamp die Shirts als Anerkennung für das Projektteam. Eine nahe gelegene Stickerei fertigte sie an. Erst später bemerkte Kamp, dass verschiedenfarbige Schuppen auf den einzelnen Shirts ohne Aufpreis möglich gewesen wären. Die Shirts wurden populär und waren weiterhin über CafePress und andere Webshops erhältlich.
Eine weitere Lehre nennt Kamp den „Goodbye & Good Luck“-Multiplikator. Open-Source-Projekte versuchen bei strategischen Konflikten meist, ihre Einheit zu bewahren. Nach seiner Auffassung kann eine Trennung beiden Seiten bessere Entwicklungsbedingungen geben. Er verweist auf OpenBSD, das nach dem Ausscheiden von Theo de Raadt aus NetBSD entstand und später wichtige Sicherheitssoftware wie OpenSSH hervorbrachte. Von der Trennung um Matt Dillon bei FreeBSD hatte Kamp eine ähnliche Wirkung erwartet. Den damaligen Stand von DragonFlyBSD bewertete er enttäuschend.
Eine spätere Google-Funktion mit dem Hinweis „People also search for“ lieferte bei Kamps Namen einen ungewöhnlichen Vorschlag für eine Dinnerparty: „I blame… The bikshed email“. Danach veröffentlicht Kamp die ursprüngliche Mail erneut. Poul-Henning Kamp schickte sie am Sat, 02 Oct 1999 16:14:10 +0200 von phk@freebsd.org. Die Message-ID lautete <18238.938873650@critter.freebsd.dk>. Eine Blindkopie ging an die Listen der Committer und Hacker.
Kamp schreibt in der Mail, dass die sleep(1)-Diskussion bereits viele Tage gedauert habe. An ihr erklärt er, warum kleine und gut vorbereitete Änderungen eine intensive Beteiligung auslösen können. Als Vorlage dient ihm Parkinsons Beobachtung, dass Milliardenprojekte Zustimmung finden, während ein Fahrradschuppen endlose Detaildebatten auslöst. Das kleine Objekt bietet eine einfache Gelegenheit, Urteil, Besitzanspruch und Status zu zeigen.
Ein zweiter Teil der Mail betrifft den Lärm auf Mailinglisten. Kamp hatte die hackers-Liste schon Jahre zuvor wegen des Nachrichtenvolumens verlassen und später weitere Listen aufgegeben. Filter leiteten Nachrichten von Personen wie Brett Glass nach /dev/null. Das galt auch für Commits zu Dokumenten in ihm unbekannten Sprachen und für Ports. Trotz dieser Filter blieb die Menge der Mail zu groß.
Kamp formuliert zwei Ziele: Die Listen sollen weniger unnötige Nachrichten erzeugen, und Entwickler sollen kleine Aufgaben ohne feindselige Intervention erledigen können. Seine gedachten Mailprogramme würden vor dem Versand darauf hinweisen, dass mehrere hunderttausend Menschen mindestens zehn Sekunden für eine Nachricht aufwenden könnten. Insgesamt ergäben sich mindestens zwei Personenwochen Lesezeit, während manche Empfänger für den Download bezahlen müssten. Weitere Warnungen sollten melden, dass der Absender den gesamten Thread oder die komplette Nachricht noch nicht gelesen hatte. Eine Abkühlphase von einer Stunde sollte eine sofortige Antwort verhindern. Eine zusätzliche Warnung sollte die Tippgeschwindigkeit N.NN cps mit einem Referenzwert A.AA cps vergleichen und vor einer vermutlich emotionalen oder unklaren Antwort warnen.
Kamp führt die Feindseligkeit teilweise auf reaktionären Konservatismus älterer Projektmitglieder zurück. Eine technische Lösung bietet er dafür nicht an. Er empfiehlt, störende Stimmen nicht weiter zu füttern und neue Mitwirkende vor dieser Mailinglisten-Kultur zu schützen. Menschen, die durch die einschüchternde Umgebung abgeschreckt wurden, bittet er um Entschuldigung. FreeBSD solle eine breitere und freundlichere Basis für Beiträge schaffen.




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