Das Centre for Computing History in Großbritannien veranstaltete am 19. September in seinem Museum eine Feier zum bevorstehenden 40. Jahrestag des BBC-Domesday-Projekts. Mike Tibbetts, der den Produzenten Peter Armstrong unterstützte, berichtete, dass sich der britische Inlandsgeheimdienst MI5 für das System interessiert habe, seinen Zweck aber nicht verstanden habe. Armstrong stellte das Projekt außerdem der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher vor. Tibbetts bezweifelte, dass auch sie den Ansatz vollständig erfasst hatte.

Armstrong entwickelte das Projekt als moderne Entsprechung des Domesday Book. Dieses Verzeichnis entstand nach der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066, erfasste den größten Teil Englands sowie Teile von Wales und diente dem König zur Ermittlung geschuldeter Abgaben. Rund neun Jahrhunderte später beteiligten sich mehr als eine Million Menschen, darunter viele Schulkinder, an einer Momentaufnahme des Lebens im Vereinigten Königreich. Ihre Beiträge wurden mit Karten und Fotografien verknüpft und auf zwei LV-ROM-LaserDiscs gespeichert. Sie hießen Community Disc und National Disc. Für den Zugriff dienten ein BBC Master und ein Philips VP415 LaserVision-Player. Zur dokumentierten Ausstattung gehörten außerdem ein Acorn Master AIV und ein Marconi RB2-Trackball.

Die Entwicklung lief von 1984 bis 1986. Ende 1986 erschien das System für Bildungseinrichtungen und Bibliotheken. Wirtschaftlich blieb es erfolglos. Der Preis pro Gerät lag schätzungsweise bei £5.000, mit staatlichen Zuschüssen bei etwa £3.000. Für viele der vorgesehenen Nutzer war das weiterhin zu teuer. Tibbetts erwartet, dass der historische Wert des Archivs mit zunehmendem Abstand wächst. Die Pergamentseiten des ursprünglichen Domesday Book haben 940 Jahre überstanden. Die speziell entwickelte Technik des Projekts wurde dagegen binnen weniger Jahre von verbreiteten Medien verdrängt.

Die damaligen technischen Entscheidungen waren nachvollziehbar. Der BBC Micro konnte ein Fernsehbild mit 625 Zeilen ausgeben. Das Philips-LaserVision-System ließ sich für alphanumerische Daten anpassen. Geeignete Systeme zum Erstellen und Abspielen gab es kaum, deshalb entwickelte das Team die nötigen Werkzeuge selbst. Später alterten die Discs und wurden schwer lesbar. Der teure LV-ROM-Player wurde rasch von CD-ROM- und DVD-Systemen abgelöst. Mangelndes akademisches Interesse brachte das Archiv in Gefahr. Mehrere Erhaltungsinitiativen verhinderten schließlich sein vollständiges Verschwinden.

Etwa 60 Personen arbeiteten direkt für Tibbetts und Armstrong. Weitere 60 waren in beauftragten Teams tätig. Beim ersten Treffen nach Weihnachten im Januar 1986 enthielt der eingesetzte VAX-Minicomputer laut Tibbetts noch kein einziges für die Discs vorbereitetes Byte. Die Mannschaft stellte das Material innerhalb weniger Monate fertig. Andy Finney, der für das Mastering zuständig war, erinnerte sich an die ursprüngliche Planung mit einer Maus. Das Team entschied sich für einen Trackball, weil er für Menschen mit Bewegungseinschränkungen leichter zu bedienen schien. Später bewertete es diese Entscheidung als Fehler, nachdem Nutzer beim Erreichen des unteren Bildschirmrands Schwierigkeiten hatten.

Simon Inns vom Projekt Domesday86 bezeichnete die Erhaltung als Wettlauf gegen alternde Hardware und Bit Rot. Die Discs liegen inzwischen im Internet Archive und können dort heruntergeladen werden. Funktionsfähige Originalsysteme sind selten. Inns hofft, dass Besucher des Centre for Computing History innerhalb der nächsten Jahre ein vollständiges Domesday-System erleben können.