Usenet-Rewind ist ein neues Archiv- und Suchangebot von Erie Data Systems. Die Datenbank umfasst 1.039.260.173 öffentliche Nachrichten aus der Zeit ab 1981. Der Dienst entstand, nachdem Google 2024 keine neuen Usenet-Beiträge mehr in Google Groups aufnahm. Das ältere Archiv blieb zwar online, war aber nur schwer zu durchsuchen.

Ernie Smith suchte nach dem Ausdruck „Eternal September“ und stieß auf den ältesten Beitrag, auf den auch Wikipedia verweist. Usenet-Rewind fand außerdem eine Nachricht vom 5. September 1995, in der Matt Levine seine Top-40-Mailingliste in rec.music.misc bewarb. Weitere Treffer dokumentierten Michael Wolffs Werbung für Net Guide Anfang 1994 sowie die späteren Massenlöschungen seiner Spam-Beiträge.

Die Sammlung enthält vor allem Textdiskussionen. Nutzbare Binärdateien sind offenbar nicht Teil des Angebots. Smith fand Gruppen wie alt.ibm.warez und Hinweise auf entfernte uuencodierte Daten. Wer auf 35 Jahre alte Warez hofft, wird bei Usenet-Rewind nicht fündig.

Craig J. Stadler, Gründer von Erie Data Systems, arbeitet seit rund 15 Jahren an Suchmaschinenarchitekturen mit Apache Solr. Für Usenet-Rewind trug er nach eigenen Angaben ein Jahr lang Dumps, Backups und Spenden aus verschiedenen Quellen zusammen. Ein eigener NNTP-Crawler ergänzte fehlende und neuere öffentliche Daten. Neue Konten können begrenzt kostenlos suchen. Ein regulärer Tarif kostet 9,99 US-Dollar im Monat, der Tarif mit API-Zugang 39,99 US-Dollar.

Das Archiv bewahrt auch Mitschriften von Promi-Chats aus der Mitte der 1990er Jahre, die über AOL und IRC liefen. Smith fand Beiträge von Iggy Pop, Mike Judge, Chris O’Donnell, Marilyn Manson und John Popper. Die Transkripte blieben erhalten, weil sie jemand in Usenet kopierte.

Der leichtere Zugang wirft Datenschutzfragen auf. Viele Nutzer rechneten damit, dass ihre Beiträge nach kurzer Zeit aus dem Blickfeld verschwinden würden. Usenet-Rewind nimmt DMCA-Löschanträge an. Die Entfernung aus dem eigenen Index löscht den ursprünglichen Usenet-Inhalt jedoch nicht. Stadler sagt, die Daten seien nicht für das Training großer Sprachmodelle gesammelt worden. Nach seiner Einschätzung ist ihre rechtmäßige Nutzung für LLMs nicht geklärt, deshalb bleibt der Dienst bei einer tokenisierten Standardsuche.

Für historische Forschung, Sentimentanalysen und die Untersuchung früher Onlinekulturen ist das Archiv wertvoll. Es macht zugleich alte Witze, Streitigkeiten, Karriereversuche und persönliche Fehltritte nach Jahrzehnten auffindbar. Usenet-Rewind verwandelt einen schwer zugänglichen Bestand in eine praktische Forschungsdatenbank, inklusive der damit verbundenen Datenschutzprobleme.