Im Oktober 2025 interviewte das Zine tmp.0ut Doug McIlroy am Dartmouth College während der "Binary Fun Week". McIlroy, geboren 1932, war bei Bell Labs an der Entstehung von Unix und C beteiligt. Ihm wird das Zitat zugeschrieben: "Der wahre Held des Programmierens ist der, der negativen Code schreibt."
echo war das erste C-Programm, das er je schrieb, etwa 1972, kurz nach der Erfindung von C. Die meisten Optionen von sort stammen ebenfalls von ihm, nachdem Ken Thompson, der Autor des ursprünglichen sort, ihm sagte, er solle sie selbst in den Quelltext einbauen. tee und tr schrieb er jeweils in einer Nacht.
McIlroy nennt Ken Thompson eines der größten Programmiergenies, die er kannte. Thompson baute die erste Schachmaschine mit Meisterbewertung, deren Architektur später IBMs Deep Blue imitierte. Nachdem das Bell-Labs-Management Multics stoppte, fand Thompson einen ausrangierten PDP-7 und baute in drei Wochen das komplette Betriebssystem, während seine Frau im Urlaub war: eine Woche für den Assembler, eine für das System, eine für das Dateisystem.
McIlroy selbst erfand die Unix-Pipes. Er hatte lange für eine Verbindung von Programmen geworben, und als er eine brauchbare Shell-Notation fand, implementierte Thompson sie in einer einzigen Nacht, mit zwei Lese-Schreib-Zeigern in einem ohnehin geteilten Puffer. In derselben Nacht passten er und Dennis Ritchie zahlreiche Programme für Pipes an. Ende der Woche schickten schon die Sekretärinnen Ausgaben per Pipe an den Zeilendrucker. Das |-Symbol kam später, weil Thompson sich schämte, die ursprüngliche Doppel-Größer-als-Notation bei einem Vortrag in London zu zeigen. Die Exit-Status-Semantik von Pipelines sei, so McIlroy, schlicht zufällig entstanden.
Weitere Geschichten: sein in Makros geschriebener Lisp-Compiler mit Makro-Verschachtelungstiefen von 50 bis 70; das Sprachprogramm speak, das er in einer Nacht für den Votrax-Synthesizer von Federal Screw Works schrieb und das Nicht-Muttersprachler dank 10-Millisekunden-Pausen zwischen den Wörtern leichter verstanden als echte Sprache; und der Rechtschreibprüfer als Pipeline mit 30.000 Wörtern, komprimiert auf 64K Speicher, später Thema in Jon Bentleys Programming Pearls.
Sein Lieblingsbug: ein Fortran-2-Compilerfehler auf dem IBM 7090, bei dem ein berechnetes GOTO mit genau 74 Sprüngen (74 mod 75) wegen einer falsch eingesetzten Store-Tag-Instruktion in einer 75-Wort-Tabelle scheiterte. Er fand ihn in einer durchwachten Nacht an der Konsole, bevor es Debugger gab.
McIlroy bestätigt außerdem, dass Ken Thompson die "Trusting Trust"-Compiler-Hintertür tatsächlich implementiert hat. Sie entkam fast, als eine andere Gruppe sie aus seinem Home-Verzeichnis kopierte, wurde aber entdeckt. Separat entkam um 1987 Tom Duffs experimenteller Shell-Virus im Bell-Labs-Netz; er wurde nur auf dem Mehr-Ebenen-Sicherheits-Unix IX von McIlroy und Jim Reeds entdeckt, weil dessen Integritätskontrolle anschlug.
Zur Kultur: Bell Labs bezahlte für Nützlichkeit, nicht für Publikationszahlen, und man konnte jederzeit beim Experten ins Büro gehen. Multics hatte ein fünf Fuß hohes Regal voller Entwurfsdokumente und funktionierte trotzdem nicht; das erste Unix-Handbuch erschien zwei Jahre nach dem System. Heute, seit 1997 in Dartmouth, programmiert McIlroy in Haskell, für Kartenprojektionen und Weihnachtskarten, und erledigt Potenzreihen-Umkehrung in einer Zeile, wo Knuth eine halbe Seite Pseudocode braucht.




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