Amazon erklärte am 19. Oktober 2026, das Unternehmen werde die Entwicklung einer Kernkraftanlage in Indiana finanzieren. Die Zusage erweitert eine bestehende Vereinbarung mit X-energy. Wie viel Geld in dieses Projekt fließt, teilte Amazon nicht mit. Insgesamt investiere der Konzern Milliarden in Kernenergie.
Nach Angaben von X-energy umfasst der Plan zwölf Xe-100-Kleinreaktoren im Sullivan County auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks. Die Reaktoren sollen Tri-Structural ISOtropic (TRISO)-Brennelemente verwenden und mit Helium gekühlt werden. Die Anlage soll 960 Megawatt in das Stromnetz einspeisen. Amazon wäre der erste Abnehmer des erzeugten Stroms. X-energy verfolgt das Vorhaben gemeinsam mit American Electric Power (AEP). Eine Fertigstellung sei frühestens Mitte der 2030er-Jahre möglich, der Zeitplan könne sich aber noch ändern.
In den USA gibt es bisher keinen kommerziell betriebenen Kleinreaktor. China und Russland haben funktionsfähige SMRs gebaut. Ein experimenteller US-Reaktor hat zwar die Kritikalität erreicht, erzeugt aber keinen Strom. X-energy hat noch keinen betriebsfähigen Reaktor gebaut.
US-Unternehmen können bei der Nuclear Regulatory Commission (NRC) eine Standardgenehmigung für ein Reaktordesign beantragen. Damit darf ein geprüftes Modell an verschiedenen Standorten gebaut werden, ohne dass der Reaktorkern für jedes Projekt erneut zugelassen werden muss. Nur NuScale verfügt in den USA über eine solche SMR-Genehmigung. Das Unternehmen hat jedoch weder einen Reaktor gebaut noch ein Projekt im Bau. Ein Vorhaben in Utah hat NuScale wegen mangelnden Interesses von Stromversorgern aufgegeben.
Der zweite Weg führt über eine standortbezogene Genehmigung für einen bestimmten Reaktor an einem bestimmten Ort. Solche Zulassungen gibt es etwa für Kairos Power in Oak Ridge, Tennessee, gemeinsam mit Google. General Electric plant dort ein weiteres SMR-Projekt. TerraPower arbeitet trotz Verzögerungen an einer Anlage in Wyoming. X-energy spricht bei einem Vier-Reaktoren-Projekt für Dow Chemical in Texas von der letzten Genehmigungsphase. Diese Zulassung würde nicht für Indiana gelten, wo zwölf Reaktoren vorgesehen sind.
X-energy beantwortete Fragen zu Indiana nicht. Amazon erklärte, seine Rolle beschränke sich auf die Finanzierung und den Status als erster Stromkunde. Bei der Genehmigung der Anlage wolle der Konzern nicht helfen. Nach Amazons Darstellung können frühe Kunden neue Reaktordesigns finanzieren und das kommerzielle Risiko senken. Die Indiana-Anlage bleibt damit vorerst ein Plan, keine Stromquelle.




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