Christopher Drum veröffentlichte den Rückblick am 12. Oktober 2026. Anlass sind der Internationale Spreadsheet-Tag, der 15. Todestag von Steve Jobs und das einjährige Bestehen seines Blogs.

Getestet wird Lotus Improv auf einer NeXTstation Turbo, die unter Previous 4.4 auf Windows 11 emuliert wird. Das System verfügt über einen 68040-Prozessor mit ungefähr 40 bis 50 MHz, 128 MB RAM, eine 2-GB-Festplatte, ein monochromes Megapixel-Display, NeXTSTEP 3.3 und Lotus Improv Rel. 1.0 mit der Kennung v108r0.

NeXT und Improv wollten etablierte Computeroberflächen neu ordnen. NeXT machte UNIX über eine grafische Oberfläche, Display PostScript und leistungsfähige Entwicklungswerkzeuge zugänglich. Improv modellierte Daten mehrdimensional und bot Formeln an, die näher an natürlicher Sprache lagen. Die NeXT-Hardware setzte sich nicht durch. NeXTSTEP und OPENSTEP gingen später in die technische Entwicklung von macOS und iOS ein. Objective-C und Interface Builder prägten außerdem den Einstieg des Autors in die Programmierung. Ihr Einfluss ist in den NS-Präfixen der Apple-Foundation-Klassen noch sichtbar. Auch DOOM und Tim Berners-Lees erster Webserver liefen auf NeXT-Systemen.

Improv ersetzt anonyme Bezüge wie B1 oder K12 durch benannte Kategorien und Elemente. Eine Tabelle kann etwa eine Kategorie Months mit Januar bis Dezember und eine Kategorie Days mit nummerierten Einträgen enthalten. Ein neues Arbeitsblatt startet mit einer einzigen Zelle und wächst nur durch tatsächlich angelegte Daten. Gespeichert werden die definierten Beziehungen, nicht ein riesiges Feld leerer Zellen.

Formeln stehen in einem eigenen Panel und gelten auf der jeweils festgelegten Ebene. Eine Regel kann alle Dezember-Einträge oder eine einzelne Schnittstelle wie December:15 ansprechen. PREV, NEXT und THIS liefern begrenzte relative Bezüge. In einem Beispiel wird jeder Januarwert aus dem vorherigen Tag berechnet, während die Dezemberwerte das Doppelte des jeweils passenden Januarwerts erhalten. Zwei sichtbare Formeln reichen für das gesamte Arbeitsblatt aus.

Improv macht widersprüchliche Regeln sichtbar. Existiert March in mehreren Kategorien, lässt sich die Referenz mit Months:March eindeutig machen. Treffen zwei Formeln auf dasselbe Ergebnis, markiert die Oberfläche die Überschneidung und verlangt eine Entscheidung. Das Entwicklungsteam hielt dieses Problem zunächst für kaum lösbar. Steve Jobs soll die erkennbare Fehlersituation als Vorteil betrachtet haben, weil der Nutzer die Priorität selbst festlegen kann.

Mit jeder weiteren Dimension steigt die Komplexität. Drum baut ein Baseballmodell mit den Kategorien Year, League, Division und Record. Eine zusätzliche Kategorie Teams führt zu einem Strukturproblem, da ihre Elemente automatisch für alle vorhandenen Dimensionen gelten. Teams gehören jedoch zu bestimmten Ligen und Divisionen. Gruppen schaffen einen Ausweg. Sie fassen aufeinanderfolgende Elemente innerhalb einer Kategorie zusammen und können verschachtelt werden. groupsum() berechnet Zwischensummen. SKIP verhindert die Anwendung einer Formel auf ausgewählte Gruppen, Zellen, Elemente oder Kategorien.

Diese Architektur erklärt auch Improv’s Verbindung zu Pivot-Tabellen. Pito Salas entwickelte das Konzept in der Advanced Technology Group von Lotus Development. Sein früher Prototyp Back Bay zeigte englischähnliche Formeln, mehrdimensionale Daten und verschiebbare Ansichten. Nach etwa einem Jahr Entwicklung wurde er in den USA vor Finanzmodellierern vorgeführt. Improv kann damit als wahrscheinlicher Ursprung der modernen Pivot-Tabelle gelten, auch wenn Drum die endgültige historische Zuordnung offenlässt.

Aktuelle Tabellenprogramme können Pivot-Ansichten ebenfalls umordnen. Ihre Pivot-Daten liegen jedoch meist in einer separaten Momentaufnahme. Änderungen an der Ursprungstabelle verlangen eine Aktualisierung. In Improv arbeitet jede Ansicht direkt mit dem Basismodell. Der Vergleich umfasst LibreOffice Calc 26.8, Apple Numbers, Microsoft Excel und Google Sheets. Diese Programme benötigen für mehrdimensionale Berechnungen mehr doppelte Daten und manuelle Verknüpfungen. Improv kann eine vollständige Gewinnquote als Win Ratio = Win / (Win + Loss) ausdrücken. Moderne Modelle brauchen dafür oft mehrere SUMIFS-Ausdrücke und zusätzliche Suchlogik.

Das Hilfesystem gehört zu Improv’s Stärken. Es bietet Index, Suche, verknüpfte Dokumentation und den Modus Point for Help. Dabei wird der Mauszeiger zum Fragezeichen. Ein Klick auf ein unbekanntes Bedienelement öffnet die passende Erklärung. Die NeXT-Version enthält außerdem einen Item Dispenser, der Sequenzen wie Wochentage oder Jahre erzeugt. Er benötigt ein vorhandenes Startelement. In der Windows-Version wurde er durch einen konventionelleren Listengenerator ersetzt.

Diagramme öffnet Improv in der separaten Anwendung Presentation Builder. Auf einer PostScript-Seite lassen sich mehrere Diagramme, Texte, Formen, Linien und Sound-Anmerkungen platzieren. NeXTs Display-PostScript-Technik bewahrt die Ausgabe als hochwertige Vektordaten. Die Bearbeitung verteilt sich jedoch auf zu viele Paletten. Exportierte Dateien bestehen aus vielen einzelnen Vektorobjekten und Masken, was spätere Änderungen erschwert.

Die erste Version hat deutliche Schwächen. Es gibt keine Undo-Funktion. Die Reihenfolge der Formeln ist wichtig, lässt sich aber nur durch Ausschneiden und Einfügen ändern. PREV, NEXT und THIS funktionieren relativ nur entlang einer ausgewählten Kategorie. Scripting fehlt. Arbeitsblätter lassen sich nicht projektübergreifend verbinden, und identische Kategorien werden nicht automatisch synchronisiert. Ein Projekt kann bis zu 100 Arbeitsblätter enthalten, deren Referenzen auf dieses Projekt beschränkt bleiben.

1993 gab NeXT die eigene Hardware auf und wechselte zu Intel. Das Unternehmen firmierte als NeXT Software und veröffentlichte später OPENSTEP. Auch Improv wechselte zu Intel und erschien für Windows 3.1. Version 2 brachte Undo, LotusScript, eine überarbeitete Listenerzeugung und eine japanische Lokalisierung. Die Beschränkungen bei Formelreihenfolge, relativen Bezügen, dreidimensionalen Arbeitsblättern und der Kategoriesynchronisation blieben bestehen. Lotus bot parallel mehrere konkurrierende Produkte an, darunter 1-2-3 für Windows, Lotus Symphony, Lotus Works und Lotus 1-2-3 for DOS Release 4.

Besprechungen in Compute vom Juli 1994 und PC World vom Februar 1994 lobten Improv als Modellierungswerkzeug, hielten es aber für eine schlechte allgemeine Tabellenkalkulation. PC World zeichnete es dennoch als Sieger der Kategorie Applications bei den 10th Annual Awards for Technical Excellence aus. Improv setzte sich dort gegen Quattro Pro 5.0 for Windows Workgroup Edition und WordPerfect 6.0a for DOS durch.

Lighthouse Design entstand 1989 unter Beteiligung von Jonathan Schwartz und entwickelte eine NeXT-Software-Suite, nachdem Microsoft Office nicht für die Plattform portiert worden war. Zum Angebot gehörten Entwicklungs- und Projektmanagementwerkzeuge, das Präsentationsprogramm Concurrence und zwei Tabellenkalkulationen. ParaSheet folgte einem klassischen Ansatz. Quantrix übernahm Improv’s mehrdimensionale Arbeitsweise und konnte Improv-Dokumente importieren.

Quantrix beseitigte viele Schwächen des Vorbilds. Es brachte Undo, verschiebbare Formeln, Scripting, synchronisierte Kategorien über mehrere Arbeitsblätter, direkte Elementerzeugung, mehrdimensionale relative Bezüge, Farbe und einen zentralen Inspector für Diagramme. Es lief auf OPENSTEP für Intel und NeXTSTEP auf Motorola-68K-Systemen. Sun übernahm Lighthouse später und lagerte die Anwendungen ein. Ein Lizenzhinweis aus dem Jahr 1997 bot langjährigen Nutzern die meisten Programme kostenlos mit einer Zwei-Nutzer-Lizenz an. FrameMaker, OmniWeb und JavaPlan waren ausgenommen.

Quantrix blieb als kommerzielles Produkt erhalten. Pete Murray, früherer Chefentwickler von Lighthouse, soll es 2003 über Subx als Java-Anwendung neu aufgebaut haben. IDBS übernahm Quantrix 2010. Das aktuelle Produkt richtet sich an anspruchsvolle Finanzmodelle und wird über ein Angebotssystem verkauft. Drums Fazit fällt klar aus: Improv ist ein starkes Modellierungswerkzeug und eine beeindruckende Technologiedemonstration, aber für die meisten Nutzer keine gute Alltagstabellenkalkulation. Quantrix ist die praktischere Weiterentwicklung seiner Ideen.