Lerd ist eine kostenlose Open-Source-Entwicklungsumgebung des Softwarearchitekten George Dumitrescu für Linux und macOS. Auf macOS konkurriert sie mit Laravel Herd, dessen Dump-Viewer, Mail-Capture und Datenbankdienste ein Pro-Abo erfordern. Unter Linux schließt sie eine Lücke, die Herd gar nicht bedient, und ersetzt Docker-lastige Sail-Setups oder handgepflegte nginx-Konfigurationen.

Ein lerd link im Projekt erkennt das Framework, schreibt einen nginx-Vhost und liefert die Seite unter project.test mit vertrauenswürdigem HTTPS und eigener PHP-Version aus. Im Hintergrund setzt Lerd auf rootlose Podman-Container, angebunden an systemd-User-Services unter Linux und an launchd unter macOS, ohne dass etwas als Root läuft. Die PHP-Versionen reichen pro Projekt von 8.5 bis zu einem eingefrorenen 7.4-Legacy-Zweig. Node wird pro Projekt über das mitgelieferte fnm oder ein vorhandenes nvm verwaltet, bun ist als erstklassige Laufzeit integriert, und FrankenPHP mit Laravel-Octane-Worker-Modus steht pro Seite als Alternative zu PHP-FPM bereit. Alle Projekte laufen gleichzeitig bei geringem Speicherverbrauch im Leerlauf.

Die Framework-Erkennung deckt Symfony, WordPress, Magento und rund ein Dutzend weitere ab, jeweils mit passenden nginx-Regeln und Env-Handling, bezogen aus einem versionierten Community-Store, der unabhängig von Releases aktualisiert wird. Node-, Python- oder Go-Dev-Server können ebenfalls als Host-Proxy-Sites hinter einer eigenen .test-Domain laufen.

Debugging funktioniert ohne jede Paketinstallation. Lerd fängt dump()- und dd()-Aufrufe ab und streamt sie ins Dashboard, zusammen mit SQL-Queries inklusive N+1- und Slow-Query-Erkennung, ausgehenden Mails, gerenderten Views, Events, Queue-Jobs und HTTP-Aufrufen, gruppiert pro Request, für Laravel und Symfony. Ein eingebauter SPX-Profiler erzeugt Flame-Graphen per Klick, ohne FPM-Neustart. Eine Timing-Ansicht, passiv aus dem nginx-Access-Log gespeist, reiht Routen nach aktuellem p95, und ein Tinker-Tab bietet ein PHP-REPL im Browser mit projektbezogener Autovervollständigung.

Git-Worktrees erhalten eine eigene Subdomain und eine isolierte Datenbank, sodass Migrationen auf einem Feature-Branch die Daten auf main nie berühren. Jeder Worktree kann eigene PHP- und Node-Versionen pinnen und betreibt einen eigenen Vite-Worker, ausgeliefert unter der .test-Domain statt localhost:5173. Der Befehl lerd worktree wait lässt Skripte oder parallele KI-Coding-Agenten warten, bis ein Checkout vollständig provisioniert ist.

MySQL, PostgreSQL, Redis und Mailpit installieren sich per Klick. Datenbanken werden im Dashboard verwaltet: anlegen, löschen, exportieren, importieren, Snapshots und Admin-Tools, wobei Ownership- und Definer-Statements beim Import gefiltert werden. JetBrains-IDEs werden automatisch mit einer Datenquelle pro Projekt verdrahtet. Teilen funktioniert über LAN mit QR-Code, über Cloudflare-, ngrok- oder Pinggy-Tunnel, auf eigener Domain oder über einen vorhandenen Reverse-Proxy oder VPN.

Das Web-Dashboard deckt Sites, Services, Live-Logs, eine Kommandopalette und validiertes Bearbeiten von nginx-Konfigs, php.ini und .env im Browser ab, mit Zeitstempel-Backups. Es erscheint in vierzehn Sprachen und lässt sich als PWA installieren. Eine btop-artige Terminal-Oberfläche (lerd tui) zielt auf tmux- und SSH-Workflows, eine optionale native Desktop-App existiert. Die Wartung ist automatisiert: lerd doctor repariert die Umgebung, Health-Checks pro Site bieten Ein-Klick-Fixes, fehlgeschlagene Queue- und Schedule-Worker heilen sich selbst, und inaktive Sites suspendieren ihre Worker automatisch.

Für KI-gestützte Workflows bringt Lerd einen MCP-Server mit, sodass Assistenten wie Claude Code, Cursor oder Copilot Projekte scaffolden, Migrationen ausführen, PHP-Versionen wechseln und Logs lesen können. Die Tools route_timing und optimize_route übergeben dem Assistenten langsame Routen samt ihrer N+1-Queries und CPU-Hotspots.

Diesen Komfort erkauft man sich auf macOS mit einem Nachteil: Die Container laufen in einer leichten Podman-VM, was mehr Overhead bedeutet als bei Herds nativen Prozessen. Dafür ist alles, wofür Herd Pro Geld verlangt, kostenlos. Lerd steht unter MIT-Lizenz, ohne Pro-Tier, ohne Telemetrie, ohne Account-Zwang. Die Installation erfolgt per einzelnem curl-Befehl von lerd.sh, dazu gibt es ein PPA für Ubuntu und Debian, ein NixOS-Flake und WSL2-Support in Beta. Der Code liegt auf github.com/lerd-env/lerd.