Sicherheitsforscher der Firma A Security haben Schwachstellen in Zoom offengelegt, die es jedem Teilnehmer oder Host eines Anrufs mit Bildschirmfreigabe ermöglicht hätten, unbemerkt das Gerät eines anderen Teilnehmers zu übernehmen — ohne sichtbare Anzeichen und ohne jede Interaktion des Opfers. Betroffen waren alle von Zoom unterstützten Betriebssysteme: Windows, macOS, Linux, iOS und Android.

Die Lücken wurden Anfang Juni mit öffentlich verfügbaren KI-Modellen entdeckt. Den Forschern zufolge genügten weniger als 20 Prompts, um die Schwachstellen zu finden und einen funktionierenden Angriff zu erstellen. Die Fehler steckten im Protokoll für Echtzeit-Annotationen während der Bildschirmfreigabe — eine obskure, komplexe Komponente, die die KI-Systeme gezielt untersuchten, weil solche Funktionen in proprietärer Closed-Source-Software häufig übersehene Fehler enthalten.

A-Security-Mitgründer Omer Gull sieht darin einen Beleg für die rasante Demokratisierung offensiver Fähigkeiten: Was früher ein Fünf-Personen-Team ein halbes Jahr beschäftigt hätte, gelingt heute mit einer Handvoll Prompts. Zoom sei ein besonders heikles Ziel, weil Nutzer die Teilnahme an einem Anruf als Vertrauensakt begreifen.

Mitgründer Yossi Torati warnte vor Konsequenzen auf Unternehmensebene: Ein Angreifer in einem Call mit einem Firmenmitarbeiter könnte dessen Rechner und Zugangsdaten übernehmen und sich anschließend lateral im Unternehmensnetz bewegen.

Zoom veröffentlichte am Dienstag ein Security Advisory (ZSB-26015) und hat begonnen, server- und clientseitige Fixes auszurollen. Auf Anfragen von WIRED reagierte das Unternehmen nicht. Die Forscher beschreiben den Vorfall als Teil eines beschleunigten Wettlaufs zwischen KI-gestützter Schwachstellensuche und Patching.