Sebastian Bergmann, Vorstandsmitglied der PHP Foundation, argumentiert in einem Blogbeitrag, dass europäische Verwaltungen PHP längst als Grundlage ihrer digitalen Souveränität gewählt haben, ohne es zu bemerken. Seine Kernthese: Wo Beschaffungsunterlagen "digitale Souveränität" sagen, beschreiben sie immer wieder PHP-Anwendungen.
Deutschland investiert 108 Millionen Euro über vier Jahre in Version 11 des Government Site Builder: 26,88 Millionen für Entwicklung und Support, 73,2 Millionen für Migration und Relaunch, 8 Millionen für Betrieb. Über 80 Bundesbehörden nutzen den GSB bereits für mehr als 250 Websites. Die Shortlist der Evaluation bestand ausschließlich aus PHP-Anwendungen, Drupal und TYPO3; TYPO3 setzte sich durch. Ein Konsortium unter Führung von CPS entwickelt GSB 11, 17 TYPO3-Agenturen unter der Materna Group übernehmen die Migration. Schweizer Parlamentarier haben die deutsche Entscheidung als Vorbild zitiert.
Weitere Beispiele: Die Europa Web Publishing Platform der EU-Kommission betreibt 770 Drupal-Sites für 44 Dienste mit 700 Millionen Besuchen und 2,2 Milliarden Seitenaufrufen pro Jahr. Das Sustainability Portal der EASA bedient über 350 Airlines und 31 nationale Behörden auf Drupal, ergänzt um Matomo und Mautic. Dazu kommen GovNL CMS in den Niederlanden, das französische State-Design-Theme, LocalGov Drupal mit über 58 Kommunen in Großbritannien und Irland (50 bis 80 Prozent Einsparungen) und das australische GovCMS mit über 370 Sites für 115 Behörden.
Auch der souveräne Arbeitsplatz folgt dem Muster. Die SIB-Box der Bundescloud basiert auf Nextcloud und bedient rund 300.000 Bundesnutzer. openDesk integriert Nextcloud und ist im Koalitionsvertrag verankert, mit Stichtag Oktober 2028. Baden-Württemberg hat knapp 60.000 Lehrerarbeitsplätze migriert, der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag plant die Einführung. Bergmann räumt eine Einschränkung ein: Nextclouds Files High Performance Backend ist in Rust geschrieben, und die 2026 angekündigte ADA-Engine schreibt den Dateizugriff in PHP, Go und Rust neu. PHP trägt die Anwendungslogik, die I/O-Pfade wandern ab.
Die Asymmetrie ist der Kern: Die PHP Foundation erhielt 2025 Beiträge von 730.534 US-Dollar von 536 Spendern, die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um rund 139.000 Dollar. Dreizehn angestellte Ingenieure warten die Sprache. Bergmann beschreibt dies als strukturelle Lücke: Abhängigkeit erzeugt keinen Finanzierungsmechanismus.
Ein funktionierendes Modell existiert: Die deutsche Sovereign Tech Agency finanzierte das PHP-FPM Web Services Tool und die Weiterentwicklung der PHP-Stream-Schicht. Bergmann übernimmt drei Beschaffungsvorschläge von Tiffany Farriss, Interims-CEO der Drupal Association: ein Souveränitätskriterium mit 20 Prozent der Vergabepunkte im MEAT-Rahmen für nachgewiesene Open-Source-Beiträge, ein Wartungsbudget von 2 bis 5 Prozent des Auftragswerts (bis zu 10 Prozent bei komplexen Projekten) und eine 30-Tage-Regel für die Rückführung nicht sensiblen Codes. Seine Forderung: Verwaltungen sollen diese Kriterien in ihre nächste Ausschreibung aufnehmen, und Agenturen sollen die Wartung als festen Posten im Angebot einplanen.




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